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»Mitarbeiter lassen sich nicht durch Schablonen pressen«

Nachgefragt: Birgit Zorniger

Birgit Zorniger
Foto: privat

Birgit Zorniger ist Partner Operations bei der Bickson Hospitality Group in New York. Die gebürtige Schwäbisch Gmünderin kann auf über 30 Jahre Erfahrung in der Hotellerie zurückblicken: Von 2010 bis 2015 war sie General Managerin im Luxushotel Taj Lands End in Mumbai, davor im Taj Mahal Palace. Dazu kommen 14 Jahre als Resident Manager im The Mark, New York und ihre Ausbildung im Brenner’s Park Hotel & Spa in Baden-Baden.

Das Thema »Mitarbeiter-Benefits« hat in vielen Betrieben heute eine große Bedeutung. Wie setzen die Bewerber ihre Prioritäten?
Wenn man junge Menschen heute fragt, was ihnen bei der Wahl ihrer Arbeitsstätte wirklich wichtig ist, dann bekommt man als Antwort mehr oder weniger einstimmig ein gutes Arbeitsklima genannt – und da sind insbesondere auch die HR-Abteilungen gefragt. Denn im Hotel gilt: Wenn Sie heute im operativen Bereich eines Hotels tätig sind, ist es Ihre Aufgabe, die Gäste zufriedenzustellen. Und wenn Sie in der Personalabteilung arbeiten, liegt es in Ihrer Verantwortung, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Angestellte geschätzt und gefordert fühlen. Regelmäßig das Gespräch mit Mitarbeitern und Management zu suchen, erfordert Disziplin. Kleine Gesten der Anerkennung sind unersetzlich.

Dazu gehört natürlich mehr als eine smarte Recruiting-Strategie, um Bewerber anzulocken. Zum Beispiel rate ich extrem davon ab, mit zu vielen Versprechungen zu locken. Wer im Bewerbungsprozess nicht mit offenen Karten spielt, nur weil er denkt, dass er ein Talent unbedingt engagieren möchte, wird vermutlich nur eine sehr kurze Freude an diesem Kandidaten haben.

Was sind die Zusatzleistungen zum Gehalt, die besonders hoch im Kurs stehen?
Das kommt immer auf den individuellen Menschen an. Wenn Sie nur irgendein unpersönliches leistungsbezogenes Vergütungssystem haben, mag das zu Beginn zwar noch ziehen – jedoch wird es nicht viel dazu beitragen, die Leute im Unternehmen zu halten. Der Personaler muss die Bedürfnisse des Mitarbeiters und (finanziellen) Möglichkeiten des Betriebes auf einen Nenner bringen. Wenn Sie zum Beispiel einen Betrieb haben, der weit draußen ist und mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar, dann ist ein Firmenwagen eine tolle Sache. Sitzen Sie aber mitten in einer Großstadt und haben keine Parkplätze, macht das keinen Sinn. Trotzdem gilt auch hier: Der Firmenwagen mag dazu dienen, einen Bewerber ins Boot zu holen, er wird keine Garantie sein, ihn zu halten, wenn andere Faktoren nicht passen.

Was könnte das Package noch beinhalten?
Arbeitgeber sollten als Benefits nicht nur fachspezifische Trainings anbieten, sondern genauso solche, die die Persönlichkeit des Mitarbeiters bilden – oder schlichtweg nützlich für sein Leben sind. Eine Finanzberatung, eine Fremdsprache, ein Computer- oder ein Rhetorikkurs – alles, was die Allgemeinbildung fördert und den Horizont erweitert, ist ein perfekter Benefit, gerade für jüngere Leute. Denn wer weiß schon mit Mitte 20, wo ihn sein Leben später noch hintreiben wird.

Und auch sonst gibt es so viele Möglichkeiten, die Arbeits­atmosphäre durch gezielte Benefits zu verbessern: Eine Kantine mit gutem, gesundem Angebot, schöne Umkleiden, ein kleines Gym für die Mitarbeiter, ein gemütlicher Personalraum mit PC und Bibliothek für die Kollegen mit Teildienst usw.

Welchen Fehler machen Personalverantwortliche beim Thema Benefits häufig?
Es wird leider oft vergessen, sich die Zeit zu nehmen, um jeden Mitarbeiter für sich zu betrachten. Wer einfach eine Schablone nimmt und da jeden hindurchpressen möchte, scheitert daran. Erst recht bei den beiden jungen Generationen, mit denen es die Personaler heute zu tun haben.

Text: Daniela Müller, Ausgabe: 04/2019, Veröffentlicht am: 24.06.2019
Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.