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Von der Südsee auf die Alm

An den Hängen der Kärntner Nockberge ist seit 1995 mit dem Almdorf Seinerzeit eine Ansammlung hochwer­tiger Hütten entstanden

Almdorf Seinerzeit
Foto: Almdorf Seinerzeit/flickr.com

In einem kleinen, romantischen Alpendorf urlauben – das wäre doch was. So ähnlich muss ein Kärntner Unternehmer gedacht haben, als er vor über 20 Jahren auf die Idee kam, in der Nähe von Bad Kleinkirchheim ein echtes »Almdorf« mit Chalets verschiedener Größen zu errichten. Inspiriert dazu wurde er just von Anlagen in der Südsee.

Das Almdorf Seinerzeit liegt auf 1.400 Meter Seehöhe an den Hängen des Kärntner Nationalparks Nockberge und ist sechs Kilometer von dem Kur- und Skiort Bad Kleinkirchheim entfernt. Entworfen und erbaut wurde die Anlage Mitte der 1990er-Jahre vom Kärntner Unternehmer Karl Steiner und seiner Frau Isabelle mit viel persönlichem Engagement. Die Idee einer professionellen Almhütten-Anlage kam Karl Steiner u. a. ausgerechnet bei Urlauben mit eher geringem alpinen Charakter – auf Bora Bora in der Südsee, am anderen Ende der Welt. Er war davon überzeugt, dass viele Urlauber wie er das ursprüngliche Flair einer Almhütte genießen, dabei aber nicht auf exklusiven Komfort verzichten wollen. Sein Ziel war es daher, in der Anlage mit seinen anfangs 28 Almhütten, Jagdhäusern und Chalets das malerische Ambiente eines Bergdorfes mit dem Service eines 5-Sterne-Hotels zu einer Urlaubsidylle der ganz besonderen Art zu vereinen. Der Name »Almdorf« bot sich für die frei stehenden Almhütten, die auf einem Hochplateau zu einem Dorf zusammengefasst sind, an. »Seinerzeit« sollte für die traditionell überlieferte Bauweise stehen. Das Konzept war auch das erste seiner Art in den österreichischen Alpen.

»Insgesamt wurde bei der Gestaltung des Almdorfes auf Authentizität größtmöglicher Wert gelegt«, wie Presse- und Marketing-Chef Christian Schmiedl im HOGA­PAGE-Gespräch ausführt. Dazu gehören naturbelassene Materialien, Schafwolle als Isolierung und Dächer gemäß dem »Nagelschindeldach«. Jede einzelne Hütte erhält durch kleine äußere Details, wie Terrasse, Balkon, Geländer, Holzschuppen, handgehackte Dachrinnen und mehr, ihren eigenen, individuellen Charme. Dabei ist fast jedes der Häuser ein Unikat mit oftmals beeindruckenden Details. So können Gäste der »Hochzeiterhütte« etwa von ihrer Terrasse aus über eine hölzerne (funktionierende!) Zugbrücke in ein kleines Baumhaus gelangen und dort in einem Doppelbett mit unglaublichem Ausblick über das Tal die Nacht genießen.

Generell wurde bei der Ausstattung auf Details geachtet, die man landläufig in einer authentischen Almhütte erwartet, vom Kachelofen über einen (geheizten) Außenzuber bis zum Zirbenschlafzimmer.

Ein fürstliches Angebot

Aufmerksamkeit und Nachfrage des Publikums waren von Anfang an in großem Ausmaß vorhanden, doch das Projekt »Almdorf Seinerzeit« begann mit der Zeit Ausmaße anzunehmen, die für das Besitzerehepaar Steiner allein nur mehr schwer zu stemmen waren. Hilfe nahte in Form des Prinzen von Liechtenstein, der sich in die Anlage verliebte, sie im Jahr 2014 übernahm, noch stärker nach ökologischen Gesichtspunkten ausrichtete und sukzessive ausbaute. 2015, also im Jahr nach der Übernahme, kam es dann zu einer großen Erweiterung, die die Anzahl der Hütten auf heute 51 Stück annähernd verdoppelte. Unterteilt sind die Behausungen in insgesamt neun Kategorien. Die Chalets im neuen Bereich zeichnen sich dabei durch noch mehr Luxus aus und bieten teilweise einen eigenen Weinkeller oder privaten Badeteich, Sauna oder Infrarotkabine. ­Einige der Häuser liegen auch so aneinander, dass sie sich bei Bedarf zusammen­legen lassen.

Aktuell sorgen insgesamt 35 Mitarbeiter für das Wohl der Gäste, die durchschnittlich etwa vier bis fünf Tage im Almdorf logieren. Über das Jahr gesehen (Betriebsurlaube gibt es jeweils für wenige Wochen im März und November) kommt der Betrieb so auf eine durchschnittliche Auslastung von rund 70 Prozent. Eine Auslastung, die dabei nicht unwesentlich von Familien kommt. Denn besonders für Kinder gibt es hier ein umfangreiches Programm. So besteht etwa die Möglichkeit, den Nachwuchs durch Tagesmütter oder Leihomas betreuen zu lassen. Und für die etwas Älteren sind die Unterhaltungsmöglichkeiten überhaupt zahlreich: Schlafen im Heu, Floßfahren auf dem Dorfteich, Obsternte und Kräuterkunde oder gemeinsame Grill- und Lagerfeuerabende zählen etwa dazu. Aber auch Fackelwanderungen, Schatzsuchen und Schnitzeljagden stehen bei den jungen Gästen hoch im Kurs.

Kleinstes Restaurant der Welt

Natürlich kommt die Kulinarik im Almdorf nicht zu kurz: Mehrere Gasthäuser bieten Gerichte mit hauptsächlich regionalen Zutaten an, und selbstverständlich dürfen da auch Klassiker wie Schweinsbraten, Kärntner Käsnudeln oder Käsespätzle nicht fehlen – was sich Gäste in einem authentischen »Almdorf« eben so erwarten. Gehobene Küche wird im Weinkeller des Dorfes serviert, begleitet von besonderen Weinen. Die einschlägigen, üblichen verdächtigen Labels sind jedenfalls fast geschlossen dabei.

Und auch wer einen wirklich intimen Rahmen sucht, wird in der Anlage fündig: Die »Holzknechthütte« ist das kleinste Restaurant der Welt und steht als solches auch im Guinness-Buch der Rekorde. Auf dem offenen Feuer bereitet hier der Koch ein ­authentisches mehrgängiges Menü zu. »Perfekt für zwei Gäste, für vier wird es schon etwas eng«, lacht Schmiedl.

Im Almdorf Seinerzeit will man aber nicht nur Regionalität und Authentizität großschreiben. Das ganze Projekt soll auch möglichst naturnah und nachhaltig geführt werden. Das bedeutet etwa, dass Gäste ihr Fahrzeug in einer zentralen Garage abstellen und die Wege innerhalb der Anlage zu Fuß bewältigen. Der Gepäcktransport (oder im Bedarfsfall auch der der Gäste) erfolgt mit Elektro-Karts. Mit denen wird übrigens jeden Morgen auch das Frühstück zur gewünschten Zeit in die einzelnen Hütten gebracht, wo dann etwa auch Eiergerichte vom persönlichen Hüttenwirt frisch zubereitet werden. Überhaupt kümmert sich der Hüttenwirt um alles, was man so für einen entspannten Aufenthalt braucht. So serviert er auf Wunsch auch Mittag- oder Abendessen auf die Hütte, arrangiert ein Picknick oder heizt den Holzofen in der Stube ein – eben eine Art »Almhütten-Concierge«. Und wie es sich für einen Concierge in ­einem Top-Betrieb gehört, ist dieser auch 24 Stunden am Tag verfügbar.

Hütten kann man auch kaufen
Fotos: Almdorf Seinerzeit/flickr.com

Hütten kann man auch kaufen

All das hat natürlich seinen Preis: In der kleinsten Hütte, dem »Troadkasten« mit 45 m² Wohnfläche, kostet die Nacht bei Zweierbelegung pro Person 170 Euro. Das Ende der Fahnenstange ist dann im »Almhüttenchalet Deluxe mit Pool« (180 m²) erreicht mit 475 Euro pro Person und Nacht. (Die Preise gelten das ganze Jahr über, lediglich über Weihnachten und Silvester gibt es einen Aufschlag von durchschnittlich 70 Euro/Person/Nacht.) Inkludiert sind dabei auch ein Mittagsimbiss sowie die Benutzung des Alm-Spa mit Fitnessraum, Panoramasauna, Schwimmteich oder zahlreichen Behandlungsmöglichkeiten.

Und wer sich in die Hütten so verliebt hat, dass er gar nicht mehr wegmöchte, der hat auch die Möglichkeit, ausgewählte Chalets zu Preisen zwischen 900.000 (75 m², Maximalbelegung zwei Personen) und 1.650.000 Euro (180 m², Maximalbelegung sechs Personen) zu erwerben. Immerhin sieben solvente Käufer konnten sich bis dato für dieses exklusive Angebot erwärmen. Ob diese dann in den Zeiten ihrer Anwesenheit auch auf den vollen ­Hotelservice – vom Hüttenwirt bis zur Reinigung – zurückgreifen können, ist Vertragssache.

Fertig ist ein Projekt wie das Almdorf Seinerzeit allerdings nie, zu optimieren gibt es immer etwas. Doch die Vision von Prinz Alfred von Liechtenstein steht fest: Im Vollausbau soll das Almdorf eine weitgehend sich selbst versorgende Ecodorf-Anlage mit eigener zentraler Energieversorgung, einem Bauernhof mit Biolandwirtschaft, Kräutergärten, Naturschwimmteichen und malerischen Biotopen sein. Oder wie es der Hausherr formuliert: »Es geht uns hier darum, in einer Welt voller Effizienz-Druck und Stress, in der Burn-out zur Volkskrankheit Nr. 1 geworden ist, wieder zu entschleunigen, zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden.« Und das eben mit so viel Natur wie möglich.

Einträgliche Nagetiere

Wobei – Entspannung hin, Entschleunigung her – als ein wesentliches Geschäftsfeld hat sich in den letzten Jahren ausgerechnet das MICE-Geschäft, also Meetings und Incentives, entwickelt. Mitarbeiter eines Wiener Luxushotels treffen sich hier ebenso für Trainings oder zum Gedankenaustausch wie Angestellte ­einer großen Versicherung. Und vor Kurzem haben sich die Teilnehmer eines Sportwagenfestivals verwöhnen lassen. Schmiedl: »Wir bieten hier auch einen Seminarbereich an und können bis zu knapp 200 Personen beherbergen und auch verköstigen. Zum Glück entdecken immer mehr Unternehmen und Vereine diese Möglichkeiten.« So wie Google zum Beispiel, die vor wenigen Wochen gleich das ganze Dorf für mehrere Tage gemietet haben. Möglichkeiten sieht Schmiedl auch in der verstärkten Bewerbung von Hochzeiten. Sogar über den Bau einer eigenen Kapelle wird aktuell nachgedacht.

Nicht zuletzt sorgt auch Prinz Liechtenstein regelmäßig für Auslastung, da er nicht nur selbst des Öfteren hier zu Gast ist, sondern als Mitbegründer und Chairman des Advisory Boards der International Peace Foundation (www.peace-foundation.net) bisweilen Veranstaltungen dieser Friedensorganisation im Almdorf abhält. Schließlich hat er sogar den offiziellen Sitz dieser NGO hierhergelegt. Das Almdorf als Weltfriedenszentrum quasi. Keine schlechte Vision und jedenfalls eine, die mit Sicherheit den Applaus von Gründer Karl Steiner bekommt.

Text: Clemens Kriegelstein, Ausgabe: 05/2018, Veröffentlicht am: 03.09.2018
Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.