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Der Glühwein im Exklusiv-Interview

Jetzt rede ich!

Interview mit einem Glühwein
Jetzt Rede ich
 Bald geht es endlich wieder los: Ihre Fans strömen auf die Weihnachtsmärkte, um Sie so richtig abzufeiern. Warum beschwipsen Sie eigentlich schneller als normaler Wein?
Warme oder heiße Getränke absorbieren schneller im Körper. Wenn ich hinuntergeschluckt werde, wandere ich rasch aus dem Magen in den Darm, gerate direkter in die Blutbahn. Schon über die Mund- und Magenschleimhaut wird ein Teil des warmen Alkohols besser aufgenommen, als dies bei kalten alkoholischen Getränken der Fall ist.

Ist eigentlich klar geregelt, wie Sie beschaffen sein müssen?
Aber selbstverständlich! Es gibt eine strenge Verordnung für »aromatisierte Weinerzeugnisse«. Hey, willkommen in der EU – haben Sie da etwas anderes erwartet? (Lacht.)

Was beinhaltet denn die Regelung?
Ist nur von Glühwein die Rede, ist Rotwein die Basis. Werde ich aus Weißwein zubereitet, muss ich »Weißer Glühwein« heißen. Ich muss mindestens sieben Volumenprozent Alkohol intus haben, höchstens 14,5. Nicht erlaubt ist es, weiteren Alkohol zuzugeben, ebenso Wasser. Die Bezeichnung »Glühwein mit Schuss« ist eigentlich gar nicht zulässig! Regelkonform müsste ich dann als »Glühpunsch mit Rum« verkauft werden. Sie können sich bestimmt gar nicht vorstellen, wie oft Lebensmittelüberwacher Kennzeichnungsfehler bei mir entdecken.

Wie lange existieren Sie eigentlich schon?
Mich haben sie schon im alten Rom gesof… äh – genossen. Ich habe eine wirklich sehr lange Tradition! In der über 2000 Jahre alten Rezeptsammlung des legendären römischen Feinschmeckers Apicius, die auch so bemerkenswerte Delikatessen wie Flamingozungen zu bieten hat, befindet sich der älteste Hinweis auf mich. Durch die Gewürze hat man damals den oft arg trockenen und sauren Wein erst genießbar gemacht, die Erwärmung hat später ein Übriges getan.

Gutes Stichwort: Ihre Kritiker behaupten ja, dass der Wein in Ihnen oft von minderer Qualität sei, der viele Zucker und die Gewürze das übertünchen würden – ähnlich wie eine Marinade bei einem nicht so perfekten Steak.

Glauben Sie mir: Es würde nicht allzu viel bringen, einen Château Mouton-Rothschild im Wert von 7.000 Euro zu verwenden. Wird Wein erhitzt, verfliegt nicht nur Alkohol, sondern auch viele Aromen. Was aber nicht heißen soll, dass Billig-Fusel okay ist! Die großen kommerziellen Hersteller verwenden auch Verschnitte aus verschiedenen Weinen, was nicht unbedingt schaden muss.

Welche Gewürze beinhalten Sie denn?
Zunächst: Die Gewürze  dienen dazu, die Dominanz der Süße abzumildern. Beliebt sind, neben ­Zi­­tronen- oder Orangenschalen, auch Vanilleschoten, Stern­anis, Gewürznelken, Kardamom – und natürlich Zimt!

Der steht ja in dem Ruf, aphrodisierend zu wirken. Stimmt das eigentlich?
Die Flirtereien zu später Stunde auf dem Christkindlmarkt gehen auch auf seine Kappe! (Lacht.) Ein kluger Mensch hat gesagt: »Genauso heiß wie dieser Wein, kann die Nacht dahinter sein.«

Ein Liter Cola enthält 36 Stück Würfelzucker. Wissen Sie, wie viele es bei Ihnen sind?
(Hüstelt.) Nun ja, ich liege knapp darüber. Bei manchen Sorten sind es fast 50. Aber ich sehe mich auch als Drink für ­besondere Tage. Ab und zu sollte man sich das gönnen!

Es gibt Weihnachtsmarkt-Drinks, die in Mode sind, wie etwa Glühbier, heißer Hugo oder Lumumba. Fürchten Sie sich vor bestimmten Konkurrenten?
Ach, kommen Sie. Mein Standing gleicht dem des FC Bayern in der Bundesliga. Ab und zu kommen da Größenwahn­sinnige und denken, jetzt haben sie mich. Konkurrenten kommen und gehen. Nur ich bleibe immer da, wo ich hingehöre – auf Platz eins.

Kommen wir zum Schluss, oder besser gesagt: zum Schuss. Ihre Hardcorefans haben nichts gegen einen Schuss Rum einzuwenden, oder?
Natürlich nicht. Wobei die Gefahr eines Katers natürlich größer wird, wenn noch eine Spirituose dazukommt. Es muss aber nicht immer Rum sein. Probieren Sie doch mal einen Glühwein Royal, also mit einem Schuss Amaretto und einem Sahnehäubchen.

Glühwein, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Text: Sebastian Bütow, Ausgabe: 04/2017, Veröffentlicht am: 04.11.2017

Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.
Fotos: fotolia.com: lenkaserbina; Alexiuz; lyulkamazurkev; Lilya; grafikplusfoto; iStockphoto