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Die Chilischote im Exklusiv-Interview

Jetzt rede ich!

Chilli Interview Jetzt rede ich
Fotos: iStockphoto

Sie ist das feurigste Gemüse auf Erden – die Chilischote. Der Kultstatus um ihre Schärfe gipfelt in absurden Wettbewerben. Im Exklusiv-Interview erklärt sie, dass sie nicht nur scharf, sondern auch gesund ist.

So ziemlich jedem von uns ist es schon mal passiert: Plötzlich brennt’s so heftig im Mund, dass wir reflexartig das Bier unseres Tischnachbarn austrinken, um den Schmerz zu lindern. Was tun gegen den Chili-Schock?
No risk, no fun! Yeah, ich bin immer für richtig krasse Überraschungen gut. Also eines kann ich Ihnen versichern: Viel Wasser oder Cola bringt rein gar nichts bei übermäßiger Schärfe. Bei den berühmt-berüchtigten Chili-Meisterschaften werden Milchprodukte wie Joghurt oder Käse gereicht, wenn’s brennt.

Danke für den Tipp. In nahezu jedem Land sind Chili-Meisterschaften und Schärfe-Wettessen mittlerweile en vogue, wie laufen die ab?
Oh, das ist sehr unterhaltsam! Schmerzen, Schweiß, Tränen, Übergeben und Sanitäter gehören einfach dazu. Es ist wie bei einem Tennis-Turnier, es wird von Runde zu Runde immer schwieriger. Es ist faszinierend, die Gesichter zu beobachten. Schärfe wird in Scoville-Einheiten gemessen, diese reichen von null für Paprika bis zu 350.000 für Habaneros, die ganz harten Vertreter meiner Zunft. Es gibt aber auch Spezialzüchtungen wie Dragon’s Breath, die diesen Wert sogar noch übertreffen.

Dagegen ist Tabasco-Sauce wahrscheinlich Kindergeburtstag …
In der Tat, die hat gerade mal einen Scoville-Grad von 5.000. Sie haben nicht die geringste Ahnung, wie scharf ich sein kann. Probieren Sie Dragon’s Breath lieber nicht – das kann sogar tödlich enden!

Sie werden meist als Schote bezeichnet – dabei sind Sie ja eigentlich eine Beere!
Stimmt! Botanisch gesehen bin ich eine Beere, werde aber auch als Gemüse oder Gewürz bezeichnet. Wenn Sie es schon ganz korrekt wissen wollen: Ich bin ein Nachtschattengewächs, Tomaten übrigens auch.

Sie stammen bekanntlich aus Mittel- und Südamerika. Wie haben Sie es zu uns nach Europa geschafft?
Meine Verbreitung ist natürlich Christoph Kolumbus zu verdanken, der mich Ende des 15. Jahrhunderts zu Euch brachte! Ich habe Europa ein bisschen aufgepeppt.

Immer mehr Gastronomen züchten ihr Gemüse selbst. Wie stehen die Chancen, Sie auch hierzulande anzubauen?
Da geht was! Die meisten meiner Sorten kommen zwar ursprünglich aus sehr warmen Klimazonen, aber es ist auch in Mitteleuropa möglich. Allerdings vertrage ich keinen Frost! Wenn Sie darauf achten, dass ich nicht weniger als 10 Grad ertragen muss, können Sie mich zwischen August und Oktober ernten.

Welche Ihrer Sorten sind die populärsten?
Die weltweit bekannteste Sorte ist zweifelsohne Cayenne, diese wird meist getrocknet verwendet. Charakteristisch ist der leicht rauchige, etwas bittere Geschmack. In den US-Südstaaten und in Asien ist diese Sorte unverzichtbar! Im US-Bundesstaat New Mexico ist die Sorte Anaheim quasi ein Grundnahrungsmittel, und in Südosteuropa lieben die Menschen Cherry Bomb, also Kirschpaprika, die harmlos aussehen – aber mächtig Feuer in sich tragen… Nicht zu vergessen Jalapeño – ohne sie gäbe es keine Chili Cheese Nuggets bei Burger King und Co. …

Ist scharfes Essen eigentlich gesund?
Oh ja! Frische Chilis enthalten dreimal so viel Vitamin C wie Zitrusfrüchte, ich stärke also das Immunsystem. Wer mich isst, schützt seinen Körper vor Infektionen, zudem schüttet Ihr dank mir Adrenalin und Endorphine aus. Doch damit nicht genug: Ich habe antibakterielle Eigenschaften, wehre Bakterien und Pilze ab. Ich helfe sogar gegen kalte Füße! Wer mich verzehrt, regt seine Durchblutung an, heizt sich von innen ein. Wer’s mit mir nicht übertreibt, tut sich wirklich etwas Gutes! (Lacht.)

Chilischote, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Text: Sebastian Bütow, Ausgabe: 04/2019, Veröffentlicht am: 08.07.2019

Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.
Foto: iStockphoto