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Kinder an die Macht?

Wie es mit den jüngsten Gästen im Hotel und Restaurant klappen kann

Kinder an die Macht
Fotos: iStockphoto

Mit Kindern im Hotel oder am Restauranttisch kann es schnell drunter und drüber gehen. Andere Gäste rollen angesichts geballter Kids-Power, gewöhnungsbedürf­tiger Tischmanieren und des Lautstärkepegels schnell mit den Augen oder ergreifen entnervt die Flucht. Alle Gäste glücklich zu machen, gleicht einem Spagat, für den es ein kluges Konzept, die passende Einrichtung und Fingerspitzengefühl beim Personal braucht.

Im Hotel Falkensteiner Club Funimation Katschberg in Kärnten sind Kinder jeder Altersgruppe nichts Besonderes, sondern die Regel: In den 185 Zimmern können bis zu 240 Kinder gleichzeitig zu Gast sein. Das Haus ist eines von drei Objekten der Falkensteiner-Gruppe in Österreich, die sich dem Familienurlaub verschrieben und sich auf diese Gästeklientel eingestellt haben. Die Wurzeln der Gruppe liegen in einer kleinen Familienpension in Südtirol mit sieben Betten, nach über 50 Jahren hat man einiges an Know-how und Erfahrungen gesammelt, was Familien und was Kinder wollen.

»Familien werden immer in den Urlaub fahren, das ist für sie die wichtigste Zeit im Jahr. Und inzwischen sind sie bereit, für eine gute Unterkunft und gute Leistungen auch gut zu bezahlen«, meint Gugi Spielbüchler, General Managerin am Katschberg. Die Ansprüche hätten sich dabei in den letzten Jahren gewandelt. »Heute wollen die Eltern nicht mehr einfach ihre Kinder abgeben und ihre Ruhe haben. Für unsere Gäste ist es heutzutage wichtig, dass sie die gemeinsame Zeit sinnvoll verbringen und jeder auf seine Kosten kommt.«

Es muss nicht immer ein ganzes Spielzimmer sein: Spielmodule und interaktive Spielecomputer von Instore Kids Corners sind ideal, wenn wenig Platz ist. Foto: IKC Play

Kinder brauchen Regeln – auch im Hotel

Etwas zusammen zu erleben, steht für die meisten Familien auf der Prioritätenliste ganz oben, wenn es an die Urlaubsplanung geht. Und das fängt bei den täglichen Mahlzeiten an: Am Katschberg ist das separate Kinderrestaurant während der jüngsten Umbauphase wieder abgeschafft worden, denn die Familien wollen heute bei den Mahlzeiten gemeinsam am Tisch sitzen. Nach dem Frühstück bis in den frühen Nachmittag hinein ist Familienzeit: Naturerlebnisse und Ausflüge stehen hoch im Kurs, das Hotel bietet dafür ein umfangreiches Programm an. Nachmittags gehen Eltern und Kinder gern getrennte Wege: Während Mama und Papa im Spa-Bereich relaxen oder beim Sportkurs schwitzen, wird der Nachwuchs von sechs ausgebildeten Mitarbeitern betreut.

Ganz ohne Interessenkonflikte und Diskussionen geht es dabei auch in einem Familienhotel nicht. Zum Beispiel wenn neugierige Kids während der Familien-Saunazeit unbedingt den Whirlpool mit der Taucherbrille erkunden wollen. »Hier sind unsere Mitarbeiter gefragt, mit Fingerspitzengefühl die Situation zu entschärfen und zu erklären. Klar ist: Wir sind kein Kinderhotel, Kinder dürfen bei uns nicht alles«, so Gugi Spielbüchler.

Altersgerechte Angebote

Nicht jedes Hotel will sich konsequent den Kindern verschreiben: Im Gut Ising am Chiemsee gelten Kinder als eine von vielen wichtigen Zielgruppen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Haus will als Gäste Paare, Sportler, Wellness-Fans, Urlaubsreife, Tagungsgäste gleichermaßen ansprechen – und eben auch Familien mit Kindern. »Wir sind ein Hotel mit vielen Stammgästen, natürlich bringen diese ihren Nachwuchs mit. Im Idealfall sind die Kinder die nächste Gäste­generation – wenn es ihnen bei uns gefällt«, macht Hoteldirektor Christoph Leinberger eine einfache Rechnung auf.

Von wegen langweilig: Teenager interessieren sich nicht für Spielzeug und Kinderanimation. Auf Gut Ising können größere Gästekinder Reiten, Golfen oder Tennis lernen. Foto: Gut Ising

»Wir schauen, dass wir für jede Altersgruppe ansprechende Programme und Module anbieten.« Während die Drei- bis Zwölfjährigen während der Ferienzeit ­betreut werden, gibt es für 13- bis 16-Jährige zum Beispiel einen Pralinenkurs, Tennis-Workshops, Reitkurse oder Golf-Schnupperkurse mit Profitrainern. Selbst für die noch Älteren hat man sich auf Gut Ising etwas ausgedacht: Bei einem Come-­together-Abend mit Playstation und Fruchtcocktailmixen können sie sich ­kennenlernen. »Mehr muss man bei den Jugendlichen nicht tun. Meist ziehen die am nächsten Tag schon zusammen um die Häuser und machen sich ihr eigenes Programm.«

Mit Überlegung und Plan an das Thema Familienfreundlichkeit herangehen – dieses Rezept funktioniert auch im Café-Restaurant am Rubbenbruchsee in Osnabrück. Das Restaurant liegt im Westen der Stadt, mitten in einem großen Naherholungsgebiet. Mit großer Terrasse und Seeblick ist es ein beliebtes Ausflugsziel und wird für Familienfeierlichkeiten aller Art gebucht. »Zu uns kommt ein sehr gemischtes Publikum: Radfahrer, Senioren und viele Familien mit Kindern. Wir haben den Anspruch, jeden abzuholen, von null bis 99 Jahren. Wir wollen, dass die Kinder von heute unsere Gäste von morgen sind«, sagt Jana Lingemann, deren Mann das Restaurant seit zwölf Jahren gehört.

Das Gastronomen-Paar überlegte, welche Dinge für Familien wichtig sind, wenn diese eine Gaststätte besuchen. Die Mitarbeiter in diesen Prozess miteinzubeziehen, erwies sich für die Lingemanns als Glücksgriff. »Viele von ihnen haben eigene Kinder oder Enkelkinder. Während wir das Konzept erarbeitet haben, haben sie sich intensiv mit dem Thema aus einem anderen Blickwinkel beschäftigt und viele Ideen beigesteuert zur Einrichtung, zum Angebot und zu den Regeln, wie wir mit kleinen Gästen und deren Eltern umgehen.« Gelernt hat das Team am Rubbenbruchsee auch etwas: dass nämlich die Arbeit für Kinder und Familien richtig viel Spaß machen kann.


Tipps: Das macht Familien froh

Für Restaurants
Einrichtung: Kinderhochstühle, Sitzerhöhung, Wickeltisch (möglichst auf beiden Toiletten oder in einem Extra-Raum), Kinder-WC-Sitz und Hocker fürs Waschbecken sind wichtige Basics, die den Eltern das Handling mit dem Nachwuchs am Tisch und auf der Toilette erleichtern.

Platzbedarf:
Ideal ist, wenn es im Lokal genügend Platz zwischen den Tischen zum Rangieren von Kinderwagen gibt. Eine Alternative wäre ein Kinderwagen-Parkplatz.

Beschäftigung:
In einer abgetrennten Spielecke mit Spielzeug und Malutensi­lien können sich die Kinder beschäftigen, während die Eltern noch beim Dessert sitzen. Im Außenbereich sollte der Spielbereich einsehbar und abseits vom Straßenverkehr und anderen Gefahren liegen.

Speisekarte:
Mit einer Extra-Kinderkarte, die frittierte oder kohlenhydratreiche »Klassiker« enthält, geht man auf Nummer sicher. Für experimentierfreudige Kinder und zur Freude der Eltern gibt es Erwachsenen-Gerichte in kleinen Portionen. Ein Räuberteller (leerer Teller plus Besteck) ist für die Kids, die bei Mama oder Papa mitessen wollen.

Service:
Bei der Vorreservierung sollte erfragt werden, ob Kinder (in welchem Alter) mitkommen und ob es spezielle Wünsche gibt. Mit einer geschickten Platzierung von Familien weit weg von ruhebedürftigen Gästen beugt man möglichen Konflikten vor. Bieten Sie an, Fläschchen zuzubereiten und Babynahrung aufzuwärmen. Mütter mit Säuglingen (und evtl. auch die anderen Gäste) sind für eine ruhige Ecke zum Stillen dankbar.

Für Hotels Unterkunft:
Familiengerechte Zimmer haben getrennte Schlafräume oder Zimmer mit Verbindungstür. Kinder kann man mit einem Extra-TV-Gerät – idealerweise mit Anschlussmöglichkeit für Spielekonsolen und andere Geräte – glücklich machen.

Familienprogramm:
Angebote zur Freizeitgestaltung für Familien sollten gemeinsame Aktivitäten und getrennte für Kinder und Eltern umfassen. Das können Thementage, geführte Wanderungen, gemeinsame Sporterlebnisse, Ausflüge, Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Angebote sein. Das Candle-Light-­Dinner oder der Abend an der Bar für die Eltern ist entspannender, wenn sich jemand um die Kinder kümmert.

Text: Eva Schiwarth, Ausgabe: 04/2018, Veröffentlicht am: 02.07.2018
Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.

Extra-Kinderzimmer:
Die Räumlichkeiten sollten so eingerichtet sein, dass es Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen gibt. Dabei muss es nicht immer der »letzte Schrei« sein: Malen, Bauen und kreative Tätigkeiten sind Klassiker bei allen Kindern, beliebt sind Filme, Videospiele, Bücher.

Für draußen:
Ideal ist ein separater Spielplatz oder Spielbereich. Günstig in der Anschaffung sind Bälle, Springseile, Federball- und Tischtennis-Sets, der Verleih von Fahrrädern, Dreirädern, Bollerwagen.

Ausstattung und Accessoires:
Eltern von Kleinkindern sind Hoteliers dankbar, wenn sie nicht alles von daheim mitbringen müssen. Denken Sie an Wickelauflage, Windeleimer, Baby-Badewanne, Babybett, Hochstuhl, ­Babyflaschenwärmer, Babyphon, Nachtlicht, Buggy, Trage-­Rucksack.

Wäscheservice:
Eltern freuen sich, wenn sie schmutzige Kinderkleidung nicht zur teuren Hotelwäsche geben müssen, sondern Waschmaschine und Wäschetrockner bereitstehen, die sie selbst bestücken können.

Service:
In der Gästemappe Notfalladressen für ärztliche Betreuung, Angebote zur Vermittlung von Babysitter und Kinderbetreuung und andere Services vermerken.

Für alle gilt:
Mit einer eindeutigen Kommunikation auf der Homepage, im Hotelprospekt, in der Speisekarte zeigt ein Lokal oder Hotel an, wie willkommen Familien sind. Das reduziert Missverständnisse bei anderen Gästen. Klare Regeln beim Umgang mit den kleinen Gästen sind empfehlenswert. Gut geschultes und ein­gespieltes Service­per­sonal weiß sowohl leb­hafte Kinder und deren Eltern abzuholen als auch genervte Gäste zu besänftigen und um Verständnis bei beiden Parteien