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Zweigleisig in die Hotelkarriere

Duales Studium Hotelmanagement

Eine Woche im Hotel arbeiten, die nächste im Hörsaal sitzen: Motivierte Fachkräfte von morgen gehen den Ausbildungsweg »Duales Studium Hotelmanagement«. Während klassische Ausbildungsplätze nicht oder nur mit Mühe besetzt werden, können sich Hotels die Kandidaten für ein duales Studium aussuchen. Was macht das duale Studium so attraktiv, was müssen Bewerber mitbringen, was Unternehmen leisten? HOGAPAGE hat sich umgehört

 

Zweigleisig in die HotelkarriereFür Viktoria Rathjen standen zum Abitur zwei Dinge fest: Sie wollte etwas studieren, das zu ihr passt und sie wünschte sich ein praxisorientiertes Studium. »Ich kannte das Konzept des dualen Studiums bereits, mochte den betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Reisen, Tourismus und den Umgang mit Menschen – in diese Richtung wollte ich gehen«, erzählt die heute 27-Jährige. Auf einer Karrieremesse lernte sie dann ihren jetzigen Arbeit­geber, die Atlantic Hotels in ­Bremen kennen und ist dort eingestiegen. Nach einem vier­wöchigen Praktikum, bei dem sie bereits in die operativen Abteilungen und Abläufe eines Hotels reinschnuppern konnte, startete sie im Oktober 2012 ihr duales Studium.

Das Ausbildungskonzept ist geprägt von einer engen Verzahnung von Theorie und Praxis. Für Viktoria Rathjen hieß das im Wechsel zwei Tage Hochschule, drei Tage Arbeit im Hotel, ab und an auch einmal zwei Wochen Unterricht am Stück. An der Berufsakademie absolvierte sie das gleiche Programm wie andere BWL-Studenten, im Hotel durchlief sie alle Abteilungen, die auch ein Azubi im Hotel durchlaufen muss: Housekeeping, Restaurant, Küche, Rezeption. Ab dem zweiten Studienjahr wurde sie mehr und mehr in administrativen Bereichen wie Marketing und Sales, zentrale Zimmerreservierung oder Buchhaltung eingesetzt und mit entsprechenden Aufgaben betraut.

Akademische Ausbildung mit Praxisplus

Das Modell des dualen Studiums gibt es bereits über 40 Jahre, doch erst in den letzten zehn Jahren hat es enorm an Beliebtheit erfahren: Zwischen 2004 und 2014 haben sich nach Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung sowohl die Zahl der Studierenden als auch die Angebote der Unternehmen mehr als verdoppelt, die der Studiengänge sogar verdreifacht.

Der Bereich Hotel-, Gastronomie- und Tourismusmanagement macht da keine Ausnahme. An der staatlichen Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), dem Vorreiter des dualen Studiums, starten inzwischen jährlich drei parallel laufende Hoga-Kurse mit insgesamt 100 bis 120 Studenten. Private Hochschulen und Berufsakademien eröffnen neue Standorte, die Zahl der Studierenden steigt auch dort stetig. »Hotels und Gastro-Unternehmen haben mehr und mehr Schwierigkeiten, guten Nachwuchs zu finden. Viele junge Leute wollen lieber studieren als eine Ausbildung machen – das duale Studium holt beide Seiten ab«, erklärt Jan Specht, Studiengangsleiter für Tourismus, Hotellerie und Gastronomie an der DHBW in Ravensburg, die Entwicklung. Hinzu komme, so Specht, dass sich die Branche durch Kettenhotellerie und Internationalisierung mehr und mehr »akademisiere« – und dafür Mitarbeiter mit wissenschaftlicher Ausbildung, Praxiswissen und Erfahrungen benötigt. Das duale Studium kann eine Möglichkeit sein, diesen dringend benötigten qualifizierten Nachwuchs im eigenen Haus auszubilden – ohne große Umwege.

Mehr Bewerber als Plätze

Bei den Victor’s Residenz Hotels setzt man schon seit Jahren neben der klassischen Ausbildung auch auf das praxisorientierte Studium. »Der Mix aus Azubis und dualen Studenten im Hotel ist uns wichtig. Ein gut funktionierendes Hotelteam braucht Mitarbeiter auf verschiedenen Levels, die sich ergänzen und voneinander lernen«, meint Michael Littich vom Victor’s Residenz Hotel in München. Zurzeit sind bei der Hotelkette an fünf Standorten zwölf Dualstudierende im Unternehmen. »Wir bekommen Bewerbungen auf allen Kanälen, das Modell ist sehr gefragt«, so Petra Becker, verantwortlich für Personal- und Qualitätsmanagement bei Victor’s. Die Hotels können sich so die am besten passenden Bewerber rauspicken. »Sie müssen das ›Dienstleistungs-Gen‹ haben, sollten auf andere Menschen zugehen und offen kommunizieren können. Englischkenntnisse sind natürlich sehr wichtig.«

Der Hoteldirektor-Posten muss noch warten

Über die Jahre hat sich auch die Erwartungshaltung der Studenten geändert. »Sie wissen heutzutage, dass zu der Ausbildung auch die ganz alltäglichen Hotelarbeiten wie Zimmer­putzen und Rezep­­tions­dienst ge­hören, und dass man nach dem Studium nicht gleich Hoteldirektor ist, sondern einen guten Einstieg in die Branche bekommt«, so Petra Becker. Eingesetzt werden die Absolventen nach erfolgreichem Studium in allen Bereichen des Hotels – als ganz normale Mitarbeiter. Wer auf der Karriereleiter steigen will, dem stehen beispielsweise ein Management-Trainee-Programm oder individuell zugeschnittene Weiterbildungsmöglichkeiten offen.

Einarbeitung? Nicht nötig!

Ein BWL-Studium und die Arbeit im Hotel in drei bis vier Jahren unter einen Hut zu bekommen, ist eine sportliche Laufbahn – mit Sicherheit nichts für jemanden, dem ein lustiges Studentenleben vorschwebt. Viktoria Rathjen hat es trotzdem nicht bereut, dass sie diesen Ausbildungsweg gegangen ist. Nach dem Studium begann sie zunächst als Team-Assistentin. Der Start ist ihr nicht schwergefallen. Wie auch, schließlich war sie ja schon die drei Jahre des Studiums im Unternehmen. »Ich kannte das Hotel, alle Abläufe, wusste, was Service und Zimmermädchen zu tun haben, war mit den Kollegen vertraut. Die Einarbeitung war gleich null.« Inzwischen arbeitet Viktoria Rathjen als Assistentin der Geschäftsleitung und Personalmarketing-Managerin. Sie betreut unter anderem Karrierekanäle auf den sozialen Netzwerken. Auf Ausbildungsmessen und Hochschultagen steht sie am Infostand der Atlantic Hotels und berät potenzielle neue Mitarbeiter – auch über das duale Studium in der Gruppe.

Text: Eva Schiwarth, Ausgabe: 02/2018, Veröffentlicht am: 12.03.2018

Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.
Fotos: iStockphoto

Wie und wo bewerben? Infos und Tipps

Es gibt zwei Wege zum dualen Studium:

  1. Meist bewirbt man sich bei dem Hotel der Wahl für einen Ausbildungs-/Studienplatz. Auf den Karriereseiten der Häuser im Internet erfährt man, ob ein duales Studium angeboten wird, auf Karriere- und Ausbildungsmessen kann man mit den Mitarbeitern Kontakt aufnehmen und bekommt so Informationen. Besteht man das Bewerbungsverfahren und erhält einen Vertrag, prüft die Studien­einrichtung die Zugangsvoraussetzungen und leitet die Einschreibung in die Wege.
  2. An manchen Hochschulen oder Berufsakademien kann man sich direkt um einen Studienplatz bewerben. Die Schulen haben einen Pool an Praxisunternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, und vermitteln passende Kandidaten an diese. Passt die Wahl, schließt man mit dem Praxisunternehmen einen Ausbildungsvertrag ab.

Viele Schulen führen mehrmals im Jahr Studienberatungen, Open-Campus-Tage oder ähnliche Veranstaltungen durch.

Auswahl an Hochschulen und Berufsakademien, die Hotelmanagement anbieten

Duale Hochschule Baden-Württemberg
www.dhbw.de
Studienorte: Ravensburg und Lörrach

IUBH Internationale Hochschule Duales Studium
www.iubh.de
Studienorte: Bad Honnef, Bad Reichenhall, Berlin, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, München, Nürnberg

IBA Internationale Berufsakademie
www.internationale-ba.com
Studienorte: Berlin, Bochum, Darmstadt, Erfurt, Hamburg, Heidelberg, Kassel, Köln, Leipzig, München, Nürnberg

Das duale Studium Hotelmanagement im Überblick

Was studiert man?

Das duale Studium Hotelmanagement ist ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit dem Schwerpunkt Tourismus- oder Hotelmanagement. Weitere Spezialisierungen für die Branche sind beispielsweise Gastronomie- oder Eventmanagement.

Studieninhalte

Gelehrt werden Inhalte der allge­meinen Betriebswirtschaftslehre mit
Unternehmensführung, Personal­management, Marketing, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsmathematik, Statistik, Wirtschaftsrecht und vertiefende Fremdsprachen. Hinzu kommt branchenspezifisches Wissen zu Planung, Entwicklung und Management von Hotelbetrieben, Buchhaltung, Jahresabschluß, Marketing für Hotels und Personalmanagement sowie weitere Inhalte.

Studienorganisation

Im Unterschied zum klassischen Vollzeitstudium wechseln sich beim dualen Studium Praxis- und Studienzeiten ab. Je nach Praxishotel und -schule ist dies unterschiedlich geregelt: So kann der Wechsel Studium/Praxis tage- oder wochenweise erfolgen, auch mehrwöchige oder gar halbjährliche Blöcke sind möglich. Für duale Studenten gibt es keine klassischen Semesterferien, sie haben jedoch einen Anspruch auf Urlaub wie Auszubildende.

Formen, Dauer und Abschluss

Am meisten verbreitet ist der Bachelor, den man meist nach sechs bis sieben Semestern erwirbt. Der Bachelor-Abschluss dieses »praxisintegrierenden dualen Studiums« ist gleichwertig mit dem eines Vollzeit-BWL-Studiums. Es gibt auch die Möglichkeit, parallel zum Bachelor eine Berufsausbildung mit IHK-Abschluss zu erwerben. Dieses »ausbildungsintegrierende duale Studium« dauert dann allerdings länger.

Voraussetzungen

Studieren kann man mit Abitur, Fachabitur oder Fachhochschulreife. Zusätzlich benötigt man einen Ausbildungs- oder Studienvertrag mit einem Unternehmen. Bewerber mit einem Meisterabschluss oder abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufspraxis können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls studieren. An manchen Hochschulen muss ein Eignungstest ab­solviert werden oder es besteht ein Numerus clausus. Gute Fremdsprachenkenntnisse (in der Regel Englisch) und gutes Wissen in Mathematik helfen bei den anspruchsvollen Studieninhalten.

Hohe Kommunikationsfähigkeit und Dienstleistungsmentalität sollten als Soft Skills mitgebracht werden. Ein Praktikum im Praxishotel ist sinnvoll oder wird sogar verlangt. Um den straffen Plan mit Studium und Arbeit zu schaffen, braucht man eine hohe Motivation, Flexibilität, Selbstdisziplin und die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren.

Wo kann man studieren?

Das duale Studium Hotelmanagement wird von wenigen staatlichen und vielen privaten Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsakademien angeboten, die es an zahlreichen mittleren und größeren Städten in Deutschland gibt.

Kosten und Finanzierung

An einer staatlichen Hochschule ist das duale Erststudium kostenlos, der Praxispartner zahlt zusätzlich ein Gehalt. An privaten Hochschulen fallen monatliche Studiengebühren ab etwa 500 Euro aufwärts an. Diese werden in der Regel komplett vom Praxispartner getragen, zusätzlich gibt es für den Studierenden noch ein kleines Taschengeld. Dualstudierende sind Bafög-berechtigt, können einen Studienkredit aufnehmen oder ein Stipendium beantragen.

Berufsaussichten

Die Absolventen steigen im Hotel an Assistenz- oder Fachkräftepositionen ein – beispielsweise im Personalwesen, Marketing, Vertrieb oder Frontoffice. Häufig sind es Abteilungen, in denen sie bereits während des Studiums gearbeitet haben. Durch die praxisorientierte Ausbildung mit branchenspezifischen Inhalten haben die Absolventen nicht nur in Hotels gute Jobaussichten sondern auch bei Reiseveranstaltern, in der Gastronomie, bei Airlines oder Beratungsunternehmen für die Branche – im In- und Ausland. Mit dem BWL-Abschluss stehen natürlich auch andere Branchen offen.