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Mit cleveren Konzepten trotzdem Talente finden

Berufsporträt HR-Manager/in in der Hotellerie und Gastronomie

HR Manager
Foto: iStockphoto

Vorbei sind die Zeiten, in denen Personaler nur für Lohnabrech­nungen und Kündigungen zuständig waren.

Mittlerweile heißen sie neudeutsch Human-Resources-Manager. Sie gestalten die Unter­nehmenskultur und überlegen sich attraktive Konzepte, um im »War for Talents« zu bestehen.

Der Job in der Personalabteilung – Verzeihung: HR – ist eher trocken und von Zahlen geprägt? Von wegen, da erlebt man die verrücktesten Dinge. Einmal empfing Catrin Leese, die HR-Chefin der Lindner Hotels, einen Bewerber, der in kurzer Hose und T-Shirt erschien – obwohl das Thermometer auf minus sieben Grad runtergefroren war. »Der junge Mann wollte uns damit zeigen, wie hart, belastbar und flexibel er ist«, erinnert sich Leese schmunzelnd an ein früheres Ereignis in ihrer Karriere.

HR fasst alles zusammen, was mit dem Personal zu tun hat

In größeren Gastro– und Hotel-Betrieben spricht man heute auch im deutschsprachigen Raum nur noch von der Abteilung Human Resources, das P-Wort hat ausgedient. HR bezeichnet die Ressourcen, die ein Unternehmen durch seine Mitarbeiter an Wissen, Fähigkeiten und Motivation besitzt. Und so kümmern sich die HR-Manager um alle Belange, die mit dem Personal in Zusammenhang stehen. »Ich rechne die Kollegen ab und schaue, dass sie ihr Geld am Monatsende auf dem Konto haben – das war einmal«, sagt Kathrin Gollubits, Director HR & Training für die gesamte Gruppe der 25hours Hotels. »Als ich vor 13 Jahren in die Branche gekommen bin, kannte ich die Personalarbeit als Lohnbuchhaltung und Abteilung, mit der man nur beim Dienstantritt und -austritt zu tun hat.« Vorbei! »Hinzugekommen ist, die Organisationskultur voranzubringen und Veränderungsprozesse sowie die Unternehmenskultur mitzugestalten.« Es gilt, den Wertewandel in der Arbeitswelt zu managen, die neue Generation tickt anders. Die Mitarbeiter werden begleitet und gecoacht, »wir haben für sie auch eine Mentorenfunktion«, so Gollubits.

Wie auch Andreas Behl, der sich als HR-Mitarbeiter des Mawell Resorts in Langenburg (Baden-Württemberg) speziell um die zwölf Auszubildenden im Wellness-Paradies kümmert. »Ich betreue sie vom Start an bei ihrer Entwicklung im Unternehmen, bin ihr Ansprechpartner. Bekomme ich eine negative Rückmeldung über ihre Leistungen aus ihren Abteilungen, suche ich natürlich das Gespräch mit ihnen.« Regelmäßige Feedbackgespräche, meist gemeinsam mit den Ausbildern, gehören zu Behls Standardaufgaben.

Die große Herausforderung der HR ist der Fachkräftemangel

Kathrin Gollubits’ Arbeitgeber beschäftigt aktuell rund 1.000 Menschen an 13 Standorten, bis Mitte 2020 sollen weitere 400 bis 500 Mitarbeiter die expandierende 25hours Hotelgruppe verstärken. Klar, dass Recruiting, also die Suche nach qualifizierten Kandidaten, das ganz große Thema ihrer HR-Aufgaben darstellt. Angesichts des Fachkräftemangels in der Branche und des »War for Talents«, also des Wettbewerbs um neue Mitarbeiter, keine allzu leichte Aufgabe.

Daraus ergeben sich aber auch spannende Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Konzepte. Immer mehr Hotels veranstalten auch »Recruiting Days«, um sich im Kampf um Arbeitskräfte als attraktive Adresse zu präsentieren und möglichst viele Kandidaten auf einmal zu erreichen.

HR-Manager denken sich Bonus-Leistungen für ihre Kollegen aus

»Benefits« heißt ein weiterer Mode-Begriff der modernen Arbeitswelt. Um Mitarbeiter anzuwerben, beziehungsweise im Betrieb halten zu können, müssen ihnen auch einige Bonbons angeboten werden – wie zum Beispiel stark rabattierte Übernachtungsmöglichkeiten in den eigenen Hotels, natürlich auch für deren Familien und Freunde, Jubiläumsprämien für treue Kollegen oder Sonderkonditionen für Partnerfirmen.

Und weil modernen, fürsorglichen Arbeitgebern auch das gesundheitliche Wohl ihrer menschlichen Ressourcen am Herzen liegen muss, kommen wir zu einem weiteren Begriff, der HR-Manager sehr beschäftigt: Corporate Health. Nur gesunde Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter, und so gehört es auch zum HR-Job, sich Maßnahmen einfallen zu lassen, die dem Wohl der Kollegen dienen. Zum Beispiel Kurse für Rückenschulung oder Yoga direkt im Betrieb.

Digitalisierte Bewerbungsverfahren

»Die beiden Fragen ›Warum soll ich zu Lindner kommen?‹ und ›Warum soll ich bei Lindner bleiben?‹ sind die Kernfragen meiner Arbeit«, sagt Catrin Leese. »Was ich als HR-Chefin tue, ist vor allem strategisch ausgerichtet. Aktuell beschäftigen wir uns sehr mit der Digitalisierung verschiedener HR-Prozesse.«

Anfang des Jahres haben die Lindner Hotels eine neue, onlinebasierte Bewerber- und Talentmanagement-Plattform eingeführt. »Damit können wir im Bereich Recruiting einiges optimieren, etwa die Sichtung von Bewerbungen, die Koordination von Bewerbungsprozessen in den Hotels oder auch Active-Sourcing-Aufgaben«, erklärt Leese.

E-Learning wird immer wichtiger

Neben Informationen und einem attraktiven Bündel an Angeboten für Mitarbeiter im Intranet sorgt Leeses Abteilung auch dafür, dass die E-Learning-Angebote weiterentwickelt werden – kaum ein größeres Unternehmen verzichtet heutzutage darauf, dass das Personal digital geschult wird zu wichtigen allgemeinen Themen wie zum Beispiel Arbeitsrecht, Datenschutz oder Hygiene im Betrieb.

Diese modernen, meist verspielt und innovativ aufbereiteten Lern-Tools beinhalten gleichzeitig eine Prüfung, auch die findet digital im Multiple-Choice-Verfahren statt. Hat den Vorteil, dass ein einmal für alle entwickeltes E-Learning die komplette Belegschaft mit unabdingbarem Wissen versorgt. Durch das Abprüfen wichtiger Fragen kann kein Mitarbeiter nach einem Fehler behaupten, dass er von nichts gewusst habe, zum Beispiel bei Vergehen gegen die im letzten Jahr wirksam gewordene Datenschutz-Grundverordnung.

Viele Wege führen in die Personalabteilung

So breit gefächert wie das Aufgabenspektrum einer HR-Abteilung sind auch die möglichen Wege dorthin. »Es gibt nicht den einen Weg«, sagt Catrin Leese. Eine gute Basis sei natürlich immer eine Ausbildung im Hotel, daran anknüpfend eine Weiterbildung zum/r Personalkaufmann/-frau. Oder ein (duales) HR-Studium, um dann direkt einzusteigen. Viele Hochschulen und Fern-Unis bieten innerhalb des Hotel-, Restaurant- oder Tourismus-Management-Studiums eine HR-Spezialisierung an.

Beispiele für Studiengänge und Weiterbildungen mit HR-Spezialisierung

Text: Sebastian Bütow, Ausgabe: 04/2019, Veröffentlicht am: 26.06.2019
Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.