The Big Five – Die Food-Kolumne von Andrew Fordyce

AUS fürs Frühstücksbüfett

the big five Frühstücks Buffet
Fotos: foodtrendtours.de, iStockphoto

Der traut sich was mit dem Titel, sagen Sie jetzt vielleicht. Gleich im ersten Teil seiner Kolumne rüttelt er an einer gastronomischen heiligen Kuh wie dem Frühstücksbüfett! Und ob! Büfetts, vor allem in Hotels, sind schlicht nicht mehr zeitgemäß. Frühstück à la carte ist im Kommen. Dafür habe ich Argumente, die sich – meiner Lebensphilosophie entsprechend – immer an einer Hand abzählen lassen.

1st Big: Personal gut beköstigen und binden

»Bis zum Schluss immer frisch und voll« lautet die Büfett-Devise und produziert Unmengen Reste. Die gehen in den Abfall oder – schlimmer – an die Mitarbeiter. Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ist nicht, Personal zu finden, sondern es zu binden. Das funktioniert primär über Wertschätzung. Zum Resteesser degradiert zu werden, signalisiert das Gegenteil. Wer gut arbeitet, muss belohnt werden. Verköstigung auf Gästeniveau ist ein Anfang.

2nd Big: No-Go – Lebensmittelverschwendung

Wussten Sie, dass weltweit ein Drittel aller Lebensmittel weggeschmissen werden? Lebensmittelverschwendung ist zunehmend ein wichtiges Thema für Gäste. Nicht zuletzt auch, weil sich das Mehr-Angebot im Preis spiegelt. Machen Sie Nachhaltigkeit zum Bestandteil Ihrer Frühstücksphilosophie. Punkten Sie mit einem kleinpreisigen Angebot für Mini-Köstlichkeiten à la carte, bei denen nur Krümel übrig bleiben.

3rd Big: Zu viel Geld für zu wenig Hunger

Die meisten von uns befinden sich morgens nicht gerade auf dem Peak ihres Energielevels. Der Magen dito. Ärgerlich, wenn bereits für das Frühstück der Tagessatz der Versorgungspauschale von 24 Euro verpulvert wird, ohne dass man viel davon hat. Besser ist ein Coffee to go und ’ne Schrippe auf die Hand. Bravo, so spielt man Starbucks & Co. zu! Drehen Sie den Spieß um!

Ärger auch in puncto Steuer: Für Hoteliers ist es ren­tabler, die Übernachtung, die mit 7 Prozent versteuert ist, minimal anzuheben und durch den Wegfall des Frühstücks die Servicepauschale zu senken, für die das Finanzamt 19 Prozent kassiert. Durch den reduzierten ­Gesamtpreis fallen zudem die Abgaben an Booking-Portale geringer aus!

4th Big: Genuss und nochmals Genuss

American, Mediterran, Fitness – Frühstücksmenüs lesen sich meist gleich. Dazu haben sie mit Büfetts ein Problem gemein: das »Zuviel«. Bieten Sie lieber originelle Frühstückshappen an. Zum Beispiel: ­Bruschetta mit Avocado und pochiertem Ei. Ein gesunder Tagesanfang, der sich trotz kleinen Preises wirtschaftlich rechnet. Erweist sich der Happen als Appetitanreger, kann nach Hunger nachbestellt werden. Attraktive Preise reizen Zusatzkäufe an. Zum kleinen Müsli mit selbst gewählten Toppings macht sich ein Minisalat von exotischen Früchtchen gut, dazu Gemüsesmoothie plus Teeccino von Mate. So entsteht »mein Frühstück«, Individualität pur.

Zur Hospitality im ureigensten Sinn gehört das Bedient-werden. Entschleunigung ist Genuss: in Ruhe am Tisch alles vorgesetzt bekommen, statt x-mal aufzustehen und sich Gewünschtes zusammenzusuchen. Immer mehr Menschen achten darauf, wie sie den Tag starten.

5th Big: Frisch auf den Tisch

Ein frisch zubereiteter, krosser French Toast schmeckt einfach besser als einer, der allmählich im Chafing-Dish vor sich hin labbert. Bereichern Sie Ihre Menükarte um Trendgerichte, die vom Herd direkt auf den Tisch kommen. Frischer geht nicht! Trendtipp gefällig? »Heiß« sind Waffeln mit salzigen oder süßen Add-ons – ganz nach Gusto.

Der Autor:
Der gebürtige Südafrikaner Andrew Fordyce ist mit Streetfood aufgewachsen und blieb ihm – trotz Ausbildung im 5-Sterne Hotel – treu. Heute lebt und arbeitet der internationale Food-Service- und Retail-Experte in London und im Frankfurter Raum als Entrepreneur einer Hamburger-Produktion, Berater, Food-Trend-Scout, Keynote-Speaker und Fachjournalist.

Mehr Infos: www.foodtrendtours.de

Text: Andrew Fordyce, Ausgabe: 03/2018, Veröffentlicht am: 04.05.2018

Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.