Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Light Human Hotels

Wer morgen Erfolg hat, bedient heute die »Millennials«

Light Human Hotels
Foto: Monique Koehl

Zukunftskonzept aus Frankreich

Jeder, der in der Hotel-Branche weiter mitmischen will, ruft sich den zentralen Unternehmer-Warnsatz regelmäßig in Erinnerung: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. So sollte man beachten, dass sich Gäste (-strukturen) mit den Jahren ändern – und mit ihnen Wünsche und »Must-have«-Anforderungen an die Unterkunft. Das Light-Human-Hotels-Konzept des französischen Unternehmer-Duos Bandeira und Veyron berücksichtigt genau das. HOGAPAGE hat es unter die Lupe genommen.

Die Hotel-Branche erlebt gerade einen großen Wandel, von vielen Hoteliers leider unbemerkt«, sagt Jean-Pierre Bandeira, CEO und gemeinsam mit Julien Veyron Gründer der Light Human Hotels (www.lighthumanhotel.com), einem auf Rebranding spezialisierten Unternehmen: »Bei den meisten 3- bis 5-Sterne-Hotels dreht sich nach wie vor alles um die Generation X, also Kunden der Jahrgänge 1965 bis 1980, die ähnliche Anforderungen wie ihre Eltern, die Babyboomer-Nachkriegs­generation, haben: Must-haves sind ordentliche Betten und Duschen, ein schönes Frühstück. Die nachfolgenden Millennials, also die Jahrgänge 1980 bis 2000, ticken als Gäste komplett anders, ihnen reicht das nicht.« (Quelle: LHH/Linkedin)

Gast-Ablöse: Millennials als großes Marktpotenzial

Aber gerade diese Millennials, die sich von ihren Eltern und Großeltern so unterscheiden, werden künftig als Kundschaft immer wichtiger: In Europa stellen sie mittlerweile 24 Prozent der Gesamtbevölkerung. Auch die um die Jahrtausendwende Geborenen sind erwachsen, wodurch sie nun als Gesamtgruppe die geburtenstarken Babyboomer-Kunden überholen (Studie Connected Lifes, TNS). Diese Gruppe werde den Markt die nächsten Jahrzehnte bestimmen, sagt Bandeira. Im Light-Human- Hotels-Konzept ist daher nun statt der Vorgänger-Generation X die Gäste-Generation der Zukunft zentraler Punkt: »Wir sind inspiriert vom Spirit der Millennials, um sie dreht sich alles, und sprechen trotzdem auch die anderen Generationen an«, sagt Bandeira.

»Isolated togetherness«

Wie man diesen Spagat schafft? Bandeira und Veyron wollen das Hotel von morgen als »authentischen Ort zum Leben« umfunktionieren: Alles wird entworfen, um Interaktion zwischen den Generationen zu erleichtern und echte Erlebnisse zu bieten: die Lobby folgt dem Millennials-Leitsatz »Isolated togetherness« (siehe Info-Box), für Kinder (Generation Z, Generation Alpha) gibt es Kids-Bars oder Ateliers (gemeinsam Baum pflanzen, Mini-Events: Malkurs). Wichtig für Millennials: Sie lieben es, sich ihren Aufenthalt maßzuschneidern. (Vorab-Bestellungen für Spezial-Snacks und Getränke, Badprodukte etc.). Das Hotel ist in die Nachbarschaft eingebettet: Regelmäßige, lockere Events (Kulinarik, Kunst) machen das Hotel zum Anziehungs- und Treffpunkt für Gäste und Einheimische. Der Service (durch Mitarbeiter aus der Region): unterhaltsam, sehr persönlich. Design, Architektur mit Bezug zur Natur und Umgebung (»das Stadt-Hotel als urbane Re-Interpretation der Natur«) sind wichtige Themen. Das erste seiner Art mit dem Etikett »by Light Human Hotels« entsteht gerade auf Korsika: das 67-Zimmer-Boutique Hotel »E Caselle Corsica« in Venaco wird sein Rebranding voraussichtlich 2018 abgeschlossen haben. Als erfolgreiches ähnliches (Vorläufer-) Konzept lässt sich z. B. Antonio Catalans »AC Hotels« by Marriott nennen.

Wer eine Mustervorlage für ein kleineres Hotel sucht, klickt am besten auf die Webseite von Monique Koehl, Besitzerin des ­Familienbetriebs »Le Klepferhof« / Hôtel Jenny (www.hotel-jenny.com) im französischen Elsass. Sie hat die Anforderungen des Gastes von morgen verstanden und bedient sie bereits: Sie hat ihren Betrieb im Millennials-Design entsprechend umgebaut und adaptiert, adressiert alle Generationen, ihre Homepage ist fit für die Zukunft. An Millennials wendet sie sich über Plattformen wie www.weekenddesk.fr. Monique Koehl: »Gäste wollen keinen Schnickschnack mehr, sondern authentische Erlebnisse, das Gefühl, Teil von etwas zu sein«. Wer Millennials für sich gewinnen will, muss als bessere Alternative zu den beliebten AirBnB & Co.-Unterkünften punkten.

Millennials als Drehpunkt des Zukunfts-Konzepts ­– so spricht man sie an

  • Fühl dich als Teil von uns! Millennials kommen mit der Erwartung einer »Story to share« (für die diversen Social-Media-Accounts) ins Hotel. Das bedeutet für Sie: Auswärts-Aktivitäten (»Feel the city«) und Hotel-Events als Treffpunkt für Gäste und Einheimische (»Be part of it«) organisieren, höchstpersönlicher Insider-Service (via ­Social Media, Website, herzliche Mitarbeiter).
  • Kleiner Luxus! Millennials sind »Kinder der Krise« (Finanzkrise, Job-Unsicherheit, alles kann plötzlich weg sein), haben meist weniger Vermögen als die Vorgänger-Generationen. Statt Vorsorge und Besitz gönnen sie sich den kleinen Luxus und Erlebnisse in der Gegenwart. Tipp: Einige teurere Produkte wie beispielsweise besonderen Kaffee anbieten (hohe Qualität, öko-freundlich verpackt).
  • Modern Snacking! Trend: statt drei Mahlzeiten pro Tag lieber vier schnelle Snacks. Daher ist eine große Produkt­palette an Snacks und Getränken (Zimmer, Lobby) sowie gesundes Fast Food als Take-away wichtiger als klassischer Restaurant-Service.
  • Isolated Togetherness! Millennials als Business-Gäste sind in der Lobby gern unter Leuten, arbeiten auf ihren Tablets und »sharen« (Generation X: bevorzugt In-Room-Desk). Das erfordert eine multifunktionale Lobby bzw. Hotelzimmer sowie freies WLAN, Arbeitsbereiche mit USB-Outlets und Aufladestationen als Grundausrüstung.
  • Eco-Label! Millennials sind sozialer und weniger individualistisch als Vorgänger-Generationen. Wichtig: Ökologie, »Sharing is caring«. Sie bevorzugen Möbel mit Eco-Label. Design und Architektur sollten sich möglichst an der Natur orientieren. Nicht vergessen: Ökologie-Maßnahmen auf der Hotel-Webseite kommunizieren!
  • Richtige Medien! Bevor Millennials größere Ausgaben (z. B. Buchung) tätigen, checken sie bis zu zehn Social-Media-Quellen. »Ihre« Medien: Tablet, Smartphone, SMS, Social Media (Generation X: bevorzugen Laptop, E-Mail). Bedeutet für den Hotelier: Er sollte die Themen Digitalisierung und Social Media in seinem Betrieb forcieren.

Quelle: www.academia.edu, Julien Veyron

Text: Petra Sodtke, Ausgabe: 03/2017, Veröffentlicht am: 04.08.2017
Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.